Tanzen bei den Outgames Miami 2017

Vor ein paar Tagen sind wir, Sabrina und Gise, aus Miami zurückgekommen, wo wir für Team München bei den Outgames 2017 angetreten sind. Eigentlich sind Gise und ich nach Miami gereist, um bei den Outgames nach sechsjähriger Tanzpause unseren Wiedereinstieg in den Turnierzirkus zu wagen. Wir waren mittendrin, als einen Tag vor der Eröffnungsfeier die Absage der meisten Wettkämpfe wegen "financial burdens" kam und haben das ganze Chaos und die unglaublich schlechte Kommunikation der Organisatoren hautnah miterlebt und ich sehe noch die fassungslosen Gesichter der aus aller Welt angereisten Athleten vor mir. 

Aber was dann passierte, hat mich unglaublich beeindruckt und berührt, nämlich welcher Zusammenhalt entstanden ist, wie die Teilnehmer und die LGBT Szene vor Ort die Spiele selbst in  die Hand genommen haben und so innerhalb weniger Stunden/Tage die meisten Wettkämpfe als Alternative Games doch noch auf die Beine stellen konnten.

Auch ein Tanzturnier konnte so stattfinden, dank des unglaublichen Einsatzes von ESSDA, NASSDA und vieler einzelner TänzerInnen sowie der Bereitschaft der Wertungsrichter, zu bleiben und zu werten. "The dance family is resilient and resourceful", fasste es der Turnierleiter treffend zusammen. Und jede/r trug dazu bei: Kaffee und Snacks wurden mitgebracht, es gab sogar ein kleines Buffet zur Stärkung, und Tania aus Berlin spielte DJane, wenn sie nicht gerade selbst auf der Tanzfläche stand, statt Medaillen gab's Rosen. Die Stimmung war unglaublich, es war einfach die Liebe zum Tanzsport, die uns hier alle verband.

Da die meisten Amerikaner/innen jedoch gar nicht erst angereist waren, war es eben ein sehr kleines - aber sehr feines - Turnier mit teils absoluten Spitzenpaaren und, naja, eben mit uns. Vier Standard-Damenpaare gingen an den Start, und wir als einziges B-Paar durften nach der Sichtungsrunde unsere eigene Endrunde tanzen (wofür wir viel schönes Feedback bekommen haben). So stiegen wir dann auch in die A-Klasse auf und durften hier im Rahmen der Gala-Abendveranstaltung nochmal mittanzen, was auch ein tolles Erlebnis für uns war.

Auch das spontane Rahmenprogramm der Alternative Games war sehr nett: Die City of Miami Beach lud zu einer Party in den wunderschönen Botanischen Garten ein und das "Closing Night Event" fand mit einer knallbunten Travestieshow in der Miami Beach Community Church statt. Letzteres stelle man sich einmal in München vor... Und da unser Turnier schon am Dienstag stattfand, konnten wir anschließend einen verfrühten, tollen Urlaub in Florida genießen.

Frech fand ich auch die folgende E-Mail von GLISA, dem Dachverband der Outgames, an alle Teilnehmer, die mit folgender Anerkennung schloss: "We recognize that the participants who came here in good faith will continue to make a positive economic contribution to the City of Miami and the City of Miami Beach for the duration of their stay."

Bild: links Sabrina und Gise